Wenn Denken zum Hindernis wird – die dunkle und fortgeschrittene Kontemplation bei Johannes vom Kreuz
Es gibt Formen der Stille, die den Menschen sammeln. Und es gibt eine andere Stille, die ihn entleert. Die meisten Menschen kennen Kontemplation oder Meditation nur in ihrer frühen Form: als Beruhigung, Zentrierung oder Klarheit. Der Geist wird stiller, Gedanken ordnen sich, das Leben wirkt strukturierter. Man fühlt sich wacher, gegenwärtiger, innerlich stabiler. Genau deshalb gilt Meditation heute fast selbstverständlich als Methode zur Verbesserung kognitiver Leistungsfähigkeit. Konzentration steigt. Stress sinkt. Das Denken wird klarer. Doch Johannes vom Kreuz beschreibt etwas völlig anderes. Und genau dort beginnt ein Problem, das moderne Spiritualität oft nicht mehr versteht. Denn die eigentliche kontemplative Vertiefung führt nach Johannes nicht zu stärkerer geistiger Kontrolle – sondern zunächst zu einer Verdunkelung der gewöhnlichen Erkenntniskräfte. Nicht nur Gefühle verändern sich. Auch Denken, Erinnern und Vorstellen geraten in eine eigentümliche Krise. Das ist der ...