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Es werden Posts vom Juni, 2026 angezeigt.

Sind Gedanken Dämonen? Was Evagrius Ponticus über den Geist wusste — und warum es heute noch relevant ist

Einleitung: Wenn Gedanken nicht mehr eindeutig „Ich“ sind Es gibt Momente im inneren Erleben, in denen Denken seine Selbstverständlichkeit verliert. Ein Gedanke taucht auf — klar, wiederholend, emotional aufgeladen — und etwas in uns zögert. Nicht, weil der Inhalt ungewöhnlich wäre, sondern weil er sich nicht vollständig wie „eigene Entscheidung“ anfühlt. Er kommt, bleibt, verändert die innere Stimmung und hinterlässt eine Spur. Die moderne Psychologie würde hier von Intrusion, Grübeln oder kognitiver Verschmelzung sprechen. Doch lange bevor diese Begriffe existierten, hatte die Wüstentradition des frühen Christentums bereits eine differenzierte Sprache für genau dieses Phänomen entwickelt. Einer ihrer systematischsten Denker war (4. Jahrhundert n. Chr.), der eine für moderne Ohren überraschende These formulierte: Das innere Leben ist strukturiert — nicht durch äußere Wesen, sondern durch wiederkehrende geistige Muster, die eine erstaunliche Eigenlogik besitzen. In späteren Über...

Dunkle Nacht – glückliche Nacht? Negative Theologie bei Johannes vom Kreuz und Dionysius von Areopagita

Es klingt zunächst wie ein Widerspruch. Die  „dunkle Nacht“  gilt in der christlichen Mystik als eine der schwierigsten spirituellen Erfahrungen überhaupt. Sie beschreibt eine Phase, in der das Gebet trocken wird, religiöse Gewissheiten zerbrechen und Gott plötzlich fern erscheint. Viele Menschen erleben diese Zeit als eine Art geistliche Krise: Man sucht Gott – und findet nur Leere. Doch gerade diese Erfahrung beschreibt Johannes vom Kreuz in seinem berühmten Gedicht  Die Dunkle Nacht   mit überraschenden Worten. Gleich zu Beginn spricht er von einer ,,glücklichen Nacht" und sogar von einer ,,Nacht, die lieblicher ist als die Morgenröte." Warum sollte eine Nacht der Dunkelheit glücklich sein? Die Antwort führt tief in die Mystik des Johannes – und letztlich auch zu einer alten theologischen Tradition, die man  negative Theologie  nennt. Die Erfahrung der Dunkelheit Wer Johannes vom Kreuz liest, merkt schnell: Die „dunkle Nacht“ ist keine poetische Metapher...