Dieser Artikel bietet eine umfassende Darstellung des mystischen Weges, wie er von Johannes vom Kreuz in "Die dunkle Nacht der Seele" beschrieben wird. Er beleuchtet die poetische Essenz und bereitet vor auf die Läuterungsphasen, den Übergang zur Kontemplation und die Vollendung in der Gottesvereinigung. Einleitung: Johannes vom Kreuz und die "Dunkle Nacht der Seele" Johannes vom Kreuz (Juan de Yepes y Álvarez, 1542-1591) zählt zu den herausragendsten Mystikern des Christentums und war eine zentrale Figur der Karmelreform, die er gemeinsam mit Teresa von Ávila vorantrieb. Sein Leben war geprägt von tiefen spirituellen Erfahrungen, die oft unter extremen äußeren Bedingungen stattfanden. Ein prägendes Beispiel hierfür ist seine neunmonatige Haft im Kerker von Toledo im Jahr 1578. In dieser Zeit, die er ohne Kleiderwechsel, Gespräche und geistigen Beistand verbrachte, erfuhr er den "Horror Vacui", den Schrecken der Leere, der sich jedoch in eine tiefgreif...
Wer heute nach Carl Gustav Jung und der „Dunklen Nacht der Seele“ sucht, findet unzählige Videos, Podcasts und Artikel. Fast überall wird der Eindruck erweckt, Jung habe dieselbe Erfahrung beschrieben wie Johannes vom Kreuz. Die Begriffe scheinen längst miteinander verschmolzen zu sein. Wer sich mit Spiritualität, Mystik oder Tiefenpsychologie beschäftigt, stößt früher oder später auf diese Verbindung. Dabei gibt es ein Problem: Jung selbst spricht gar nicht von der Dunklen Nacht der Seele im Sinne des spanischen Mystikers Johannes vom Kreuz. Seine Sprache ist eine andere. Er spricht von Individuation, vom Schatten, von der Konfrontation mit dem Unbewussten, von inneren Krisen und Umbrüchen. Begriffe wie „Dunkle Nacht der Seele“ wurden erst später auf seine Gedanken angewandt. Man könnte die Sache damit als Missverständnis abtun. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn die eigentliche Frage lautet nicht, ob Jung denselben Begriff verwendet hat. Die eigentliche Frage lautet: Warum sehen...