Die Erfahrung der Erleuchtung erscheint vielen Menschen fremd, fast mystisch, selbst innerhalb der christlichen Tradition. Wer an Johannes vom Kreuz denkt, verbindet mit ihm vor allem die „dunkle Nacht der Seele“ – jene Phase innerer Leere, Trockenheit und Prüfung, in der frühere spirituelle Erlebnisse verschwinden und die Seele scheinbar allein gelassen wird. Doch Johannes beschreibt in diesen Prozessen etwas Tieferes: eine Transformation, die in erstaunlicher Weise an buddhistische Erleuchtung erinnert. Die dunkle Nacht der Seele: mehr als Leid Die dunkle Nacht ist kein bloßes Leiden, sondern ein notwendiger Läuterungsprozess. In ihr werden äußere Bindungen, innere Sehnsüchte und selbst die subtilsten Formen des Stolzes abgebaut. Wer diesen Weg beschreitet, erfährt eine Entleerung des Egos, die Platz schafft für eine direkte Erfahrung des Göttlichen. Johannes vom Kreuz nennt diesen Weg ausdrücklich den Weg der Erleuchtung – ein Begriff, der im christlichen Sprachgebrauch ungewöhnlich...
Von Johannes vom Kreuz zur modernen Sinnkrise: Zwischen Mystik, Psychologie und existenzieller Tiefe